Ausschreibungstext:

 

Öffentliche Bekanntmachung D440901085

 

nach: § 28 UVgO.

(Bekanntmachung Öffentliche Ausschreibung).

Stand Februar 2017.

 

1. Zur Angebotsabgabe auffordernde Stelle, den Zuschlag erteilende Stelle sowie Stelle, bei der die Angebote einzureichen sind.

Stelle, die zur Angebotsabgabe auffordert.

DSK GmbH Treuhänder des Landes Berlin

Axel-Springer-Straße 54 B

10117 Berlin

Tel.: +49 (30) 3116974-16

Fax: +49 (30) 3116974-98

E-Mail: angela.krause@dsk-gmbh.de.de

Internet:

 

Stelle, die den Zuschlag erteilt

DSK GmbH

Treuhänder des Landes Berlin

10117 Berlin

Tel.: +49 (30) 311 69 74 10

Fax:

E-Mail: angela.krause@dsk-gmbh.de.

 

Stelle, bei der die Angebote einzureichen sind

AUSSCHLIESSLICH Elektronisch

Internet: über die Vergabeplattform www.bi-medien.de unter B_I code D440901085

 

2. Verfahrensart

Öffentliche Ausschreibung nach UVgO

Vergabenummer BAK 01/20.

 

3. Form, in der Angebote einzureichen sind

Angebote können abgegeben werden

- elektronisch in Textform

- elektronisch mit fortgeschrittener Signatur

Bei elektronischer Angebotsübermittlung in Textform ist der Bieter und die natürliche Person, die die Erklärung abgibt, zu benennen.

Bei elektronischer Angebotsübermittlung mit Signatur ist das Angebot mit der geforderten Signatur zu versehen.

 

4. Maßnahmen zum Schutz der Vertraulichkeit und Informationen zum Zugriff auf die Vergabeunterlagen.

 

5. Art und Umfang der Leistung sowie Ort der Leistungserbringung

Parlaments- und Regierungsviertel- Bauakademie

Archäologische Ausgrabungen

Umfang der Leistung

Ort der Leistung (z.B. Empfangs- oder Montagestelle)

10117 Berlin

Zusatz:

 

6. Aufteilung in Lose

Nein.

 

7. Zulassung von Nebenangeboten

Nebenangebote sind nicht zugelassen.

 

8. Bestimmungen über die Ausführungsfrist

Beginn

Datum: 15.10.2020

Fertigstellung

Datum: 26.02.2021

Weitere Fristen.

 

9. Elektronische Adresse, unter der die Vergabeunterlagen abgerufen werden können; Bezeichnung und Anschrift der Stelle, die die

Vergabeunterlagen abgibt oder bei der sie eingesehen werden können

Vergabeunterlagen in elektronischer Form

Informationen zum Download der Vergabeunterlagen sind im Internet unter

https://abruf.bi-medien.de/D440901085 zu finden.

Auskünfte zum Verfahren und zum technischen Inhalt erteilt:

Die Kommunikation erfolgt

(X) elektronisch über die Vergabeplattform: www.bi-medien.de

Anfragen zum Verfahren können als registrierter Nutzer der B_I eVergabe im Menüpunkt - Meine Vergaben - unter dem B_I code

D440901085 im Bereich - Mitteilungen - gestellt werden.

in Textform unter nachstehender Anschrift:

DSK GmbH

Axel-Springer-Straße 54 B

10117 Berlin

Abteilung: Treuhänder des Landes Berlin

Tel.: +49 (30) 3116974-16

Fax: +49 (30) 3116974-98

E-Mail: angela.krause@dsk-gmbh.de.de

 

10. Angebots- und Bindefrist:

Angebotsfrist 30.09.2020 12:00:00

Bindefrist 12.10.2020.

 

11. Höhe etwa geforderter Sicherheitsleistungen.

 

12. Wesentliche Zahlungsbedingungen oder Angabe der Unterlagen, in denen sie enthalten sind

Siehe Vergabeunterlagen.

 

13. Mit dem Angebot vorzulegende Unterlagen, die der Auftraggeber für die Beurteilung der Eignung des Bieters und des Nichtvorliegens von Ausschlussgründen verlangt

Als Eigenerklärung vorzulegen

- Angaben zur Zahlung von Steuern, Abgaben und Beiträgen zur gesetzlichen Sozialversicherung

- Angabe, dass nachweislich keine schwere Verfehlung begangen wurde, die die Zuverlässigkeit als Bewerber in Frage stellt

- Angaben zu den für die Ausführung der Leistung zur Verfügung stehenden Arbeitskräften

- Ausführung von Leistungen, die mit der zu vergebenden Leistung vergleichbar sind

Das Formblatt -Eigenerklärungen zur Eignung- ist erhältlich:.

 

14. Zuschlagskriterien, sofern diese nicht in den Vergabeunterlagen genannt werden

(X) keine Angabe

nachfolgende Zuschlagskriterien, ggf. einschl. Gewichtung.

 

Sonstige Angaben.

 

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Vergabetext Leistungen Archäologie

 

DSK GmbH

Treuhänder des Landes Berlin

Axel-Springer-Str. 54 B

10117 Berlin

 

Angebotsaufforderung

 

Projektdaten

Projekt 10 684500 Bauakademie

PLZ/Ort 10117 Berlin

Straße/Hs.Nr. Schinkelplatz 1

Grundstückseigentümer BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH

PLZ/Ort 10178 Berlin

Straße/Hs.Nr. Alexanderstr. 3

 

Vergabedaten

Art der Ausschreibung Öffentliche Ausschreibung gemäß § 55 LHO Berlin

Leistungszuordnung Archäologische Fachleistungen, technische Leistungen,

Erdbauleistungen

 

Ausführungstermine

Ausführungsbeginn (Soll) 15.10.2020

Ausführungsende (Soll) 28.02.2021

 

Auftraggeberdaten

Auftraggeber: DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungs-Gesellschaft mbH

Treuhänder des Landes Berlin

Axel-Springer-Str. 54 B

10117 Berlin

 

Fachaufsicht: Landesdenkmalamt Berlin

Fr. Dr. Karin Wagner, Leiterin Bodendenkmalpflege und

Gartendenkmalpflege

Altes Stadthaus

Klosterstraße 47

10179 Berlin

 

Leistungsbeschreibung

Archäologische Leistungen als Teamleistung (ein/e Archäolog/e/in, ein/e Techniker/in, ein/e Zeichner/in, drei Erd- und Schachtarbeiter/innen) für eine archäologische Ausgrabung im Bereich der Bauakademie

In Abstimmung und mit fachlicher Unterstützung durch das Landesdenkmalamt Berlin sind auf Teilflächen im Baufeld der Bauakademie im Zeitraum von Mitte Oktober bis Ende Dezember 2020 archäologische Grabungen durchzuführen.

Hierfür ist ein Grabungsteam zu beauftragen.

Mit den am Team Beteiligten sollen Einzelverträge abgeschlossen werden.

Die Arbeiten vor Ort werden von Oktober-Dezember 2020 ausgeführt.

Für die Berichtserstellung wird die Zeit Januar 2021 bis Februar 2021 angesetzt.

Der Bericht und die Funde sind zum 28.02.2021 dem LDA einzureichen und durch das LDA abzunehmen.

Danach werden die Schlussrechnungen der/des Archäolog/in/en, gegebenenfalls des Technikers/der Technikerin und des Zeichners/der Zeichnerin beglichen.

Für die Grabung wird das gesamte Team benötigt.

Für die Berichtserstellung werden der Archäologe/die Archäologin, gegebenenfalls der Techniker/die Technikerin und die Zeichnerin/ der Zeichner eingesetzt.

 

Lage und Ziel der Grabung

Die Grabung umfasst Teilbereiche der im Boden erhaltenen Überreste der Bauakademie.

Als Hochschule zur Ausbildung von Baumeistern verbanden sich in ihr die Fragen nach Aufbau und Organisation der modernen Bauverwaltung mit jenen nach einer angemessenen Ausbildung.

Die Akademie wurde am 18. März 1799 von König Friedrich Wilhelm III. gegründet und 1801 dem Oberbaudepartement als Abteilung ein- und räumlich angegliedert.

Aus dem Zusammenschluss der Bauakademie mit der Berliner Gewerbeakademie ging am 1. April 1879 die Technische Hochschule Charlottenburg – die spätere Technische Universität Berlin – hervor.

Das 1832 bis 1836 errichtete Akademiegebäude wurde auf dem Alten Packhof zwischen Kupfergraben und Friedrichswerderscher Kirche nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel errichtet.

Seine Konstruktionsweise sowie die Fassaden- und Innengestaltung galten weltweit als revolutionär und wegweisend für modernes Bauen.

Der Bau diente im Verlauf auch für öffentliche Ausstellungen, Veranstaltungen und diverse Institutionen wie die erste deutschsprachige Bildstelle.

Im Jahr 1837 gestaltete der Gartenbaumeister Peter Joseph Lenné den davorliegenden Freiraum, der später zu Ehren Schinkels Denkmalbauten erhielt und Schinkelplatz genannt wurde.

Nach einem Bombenangriff brannte das Akademiegebäude 1945 aus.

Der bereits begonnene Wiederaufbau wurde 1956 eingestellt.

Im Jahr 1962 ließ die DDR-Regierung das Akademiegebäude für den Neubau des Außenministeriums abreißen, welcher wiederum 1996 entfernt wurde.

Ab 2004- Frühjahr 2020 wurde durch den Förderverein Bauakademie die Gebäudefassade mit Riesenpostern nachgebildet und eine Gebäudeecke aus Ziegel und Terrakotta wiedererrichtet.

Bis 2008 wurde auch der benachbarte Schinkelplatz in historischer Gestalt wiederhergestellt.

Im Jahr 2016 beschloss der Deutsche Bundestag den Wiederaufbau des Akademiegebäudes.

Es soll als Forum für nachhaltiges Bauen, Städtebau und digital unterstütztes „Bauen 4.0“ dienen.

Als Grabungsfläche ist der größtmögliche und zusammenhängende Bereich am Werderscher Markt, westlich des Roten Saals vorgesehen.

In die Grabungsfläche soll möglichst der in dem Bereich gelegene innere Teil der Bauakademie vollständig und dessen Anschlüsse nach Westen und außerhalb der Bauakademie einbezogen werden, weshalb sie eine Größe von ca. 300 Quadratmetern einnimmt.

Nach Norden grenzt die Tiefgaragenzufahrt, nach Osten der Rote Saal und nach Süden der Gehweg der Straße Werderscher Markt an die Grabungsfläche.

Bei der Grabung sollen der lose Schutt aus dem Souterrain entfernt werden und die festen Baulichkeiten im Boden verbleiben.

An ausgewählten Stellen soll die Gründung des Fundaments der Bauakademie auf das Vorhandensein einer Holzgründung untersucht werden.

Die Grabung wird nach dem Standard zur Durchführung archäologischer Grabungen im Land Berlin in der gültigen Fassung durchgeführt.

Das Grabungsteam besteht aus einer Archäologen bzw. einem Archäologen, einer Technikern bzw. einem Techniker, einer Zeichnerin bzw. einem Zeichner und drei Erd- und Schacharbeiter/inne/n.

Die Archäologin/der Archäologe ist bei der Planung des Grabungsablaufes und des Erd- und Tiefbaus einzubeziehen.

Nach Abschluss der Grabungsarbeiten sind die in situ zu erhaltenden Befunde und die Grabungsfläche mit einer fachgerechten Abdeckung zu sichern.

Bewegliche Befunde sollen in einem auf der Baustelle vorzusehenden verschließbaren Container gelagert werden, damit diese in einem nachfolgenden Wettbewerbsverfahren zur Verfügung zu stehen.

Zu einem späteren Zeitpunkt ist die Grabungsfläche wieder zu verfüllen.

Dem Angebot ist ein gültiger Versicherungsnachweis beizufügen.

Die Vertragsverhältnisse werden zwischen der DSK und jedem einzelnen Teammitglied des Grabungsteams abgeschlossen.

Die Archäologin bzw. der Archäologe ist weisungsbefugt gegenüber den Mitarbeiter/inne/n des Teams.

Sie/ Er weist die Leistungen zu und prüft deren Erfüllung auf Richtigkeit und Vollständigkeit.

Die Mitarbeitenden des Teams sind gegenüber der/dem Archäolog/in/en auskunfts- und abgabepflichtig, die Dokumente, Daten und Funde betreffend.

Bei den Arbeiten vor Ort wird die Mitwirkung des gesamten Teams acht Stunden täglich vorausgesetzt.

Folgende Qualifikationen und Eignungen sind vorzulegen:

 

Archäologin/Archäologe

Abschluss

Hochschulabschluss (Master) im Bereich Archäologie oder vergleichbarer Universitätsabschluss oder gleichwertiger Abschluss vergleichbarer Studiengänge.

Eignung

Grabungs-, Restaurierungs- und Konservierungserfahrung

Leitungserfahrung mit Grabungsteams von mindestens fünf Mitarbeiter/inne/n

Leitungserfahrung bei schwierigen Grabungen

Erfahrungen mit den gängigen archäologischen Dokumentationsmethoden

Erfahrungen bei der Ermittlung und Darstellung einer relativen Befundchronologie (Matrix)

Kenntnisse feinstratigrafischer Ausgrabungsmethodik

Erfahrungen im Veröffentlichen komplexer Großgrabungen

Kenntnisse von archäologischem Kulturgut

Kenntnisse mittelalterlicher und neuzeitlicher Kulturen und Funden Nordostdeutschlands

Kenntnisse erdfrischer Funde

Kenntnisse in der Ansprache von Funden

Kenntnisse von Datenbanken zur Erfassung und Bearbeitung archäologischer Befunde und Funde

Zu erbringende Leistungen

Leitung der Grabung und des Grabungsteams s.o.

Erstellen des technischen Berichts s.o.

Veröffentlichung der Ergebnisse in Rücksprache mit dem LDA

 

Techniker/in

Abschluss

Hochschulabschluss (Bachelor) im Bereich Grabungstechnik oder vergleichbarer FH-Abschluss oder

gleichwertiger Abschluss vergleichbarer Studiengänge

Eignung

Grabungs-, Restaurierungs- und Konservierungserfahrung,

Leitungserfahrung mit Teams von mindestens fünf Mitarbeitern,

Sicherheitstechnik (Arbeits- und Brandschutz),

Gute Kenntnisse der digitalen und analogen Dokumentation von archäologischen Befunden

einschließlich Nachbearbeitung

Kenntnisse von Berliner archäologischen Kulturen und Funden,

Kenntnisse erdfrischer Funde,

Kenntnisse in der Ansprache von Befunden und Funden

Zu erbringende Leistungen

Technische Vorbereitung, Umsetzung und Koordination sowie Nachbereitung der Grabung

 

Zeichner/in

Abschluss

Abschluss einer Ausbildung im Bereich technisches Zeichnen oder vergleichbarem und/oder

einschlägige Berufserfahrung als Zeichner/in in der Boden-, evtl. auch Baudenkmalpflege

Eignung

Erfahrung in der Handhabung von einfachen Werkzeugen für Erd- bzw. Gartenarbeiten

Erfahrung mit analogen einfachen Vermessungsarbeiten

Erfahrung im Anfertigen maßstäblicher Zeichnungen

Grabungserfahrung

Erfahrung in der Teamarbeit

Grundlagenkenntnisse von archäologischem Kulturgut

Grundlagenkenntnisse erdfrischer Funde

Zu erbringende Leistungen

Maßstäbliches Handzeichnen von Profilen, Befunden und Funden, Freilegungsarbeiten,

Hilfestellungen beim Messen und Fotografieren

 

Erd- und Schachtarbeiter/innen

Abschluss

Abschluss einer handwerklichen Ausbildung und einschlägige Berufserfahrung als Grabungshelfer/in

in der Bodendenkmalpflege, bei archäologischen Großgrabungen oder vergleichbarem

Eignung

Erfahrung in der Handhabung von einfachen Werkzeugen für Erd- bzw. Gartenarbeiten

Grabungserfahrung

Erfahrung in der Teamarbeit

Grundlagenkenntnisse von archäologischen Befunden und Funden,

Grundlagenkenntnisse erdfrischer Funde

Zu erbringende Leistungen

Selbstständige Durchführung des Aufgabenfeldes einer Grabungshelferin/eines Grabungshelfers auf

Grabungen

 

Mit den Bearbeiter/n/innen im Grabungsteam werden Einzelverträge abgeschlossen.

Die Abrechnung der erbrachten Leistungen erfolgt auf Stundennachweis.

Deshalb sind die Stundensätze je Team-Mitglied anzubieten.

Sämtliche zu erbringende Leistungen sind in enger Abstimmung mit der DSK, Ansprechpartnerin

Frau Krause und dem LDA, Ansprechpartnerin Frau Dr. Wagner auszuführen.

 

Rückfragen richten Sie bitte an:

DSK GmbH

Treuhänder des Landes Berlin

Frau Krause

Axel-Springer-Str. 54 B

10117 Berlin

 

Dr. Karin Wagner, Leiterin Bodendenkmalpflege und Gartendenkmalpflege Landesdenkmalamt Berlin

Altes Stadthaus, Raum 4413

Klosterstr. 47

10179 Berlin

Tel. 90259-3680

Karin.Wagner@lda.berlin.de

 

Anlagen:

Schinkelsche Bauakademie, Schinkelplatz (ehemals Niederlagstraße 2, Werderscher Markt), Berlin-Mitte, Sachstandsbericht aus bodendenkmalpflegerischer Sicht vom 04.11.2019.

Lageplan Übersicht des Grabungsbereiches.

 

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Sachstandsbericht Bauakademie Stand 04.11-1

 

Schinkelsche Bauakademie, Schinkelplatz (ehemals Niederlagstraße 2, Werderscher Markt), Berlin-Mitte

Sachstandsbericht aus bodendenkmalpflegerischer Sicht

 

1. Der Baugrund auf dem Friedrichswerder

Da die Schinkelsche Bauakademie nicht auf unberührtem Grund gebaut wurde, sondern der Standort natürlich eine Vorgeschichte hat, folgt ein kurzer Abriss zur jüngeren Siedlungsgeschichte des Bauplatzes und des Friedrichswerders.

Im Jahr 1662 wurde die Siedlung auf dem Feuchtgebiet westlich der Doppelstadt Berlin-Cölln Friedrichswerder genannt und erhielt das Stadtrecht.

Bereits seit dem Jahr 1442 gehörte der Werder zum Wirtschaftsbereich des kurfürstlichen Hofes in Cölln.

Im Zuge des Ausbaus der Festungsanlagen ab dem Jahr 1658 wurde der Werder mit in die Verteidigungsanlagen der Städte Berlin und Cölln integriert, hauptsächlich, um die wirtschaftlich wichtigen Schleusenanlagen zu schützen.

Aus Karten und Plänen geht hervor, dass der Bauplatz der späteren Bauakademie zuvor das Gelände des alten Packhofes umfasste.

Das Gelände war sehr feucht, da es nach dem Baukondukteur der Bauakademie, Emil Flaminius, ehemals im Strombett der Spree lag.

Durch zahlreiche Pfahlgründungen und Erdaufschüttungen wurde das Gelände aufgetragen und der Spree abgerungen.

Eben diese Pfahlgründungen, die von der Besiedlung auf der Spreeinsel und den Anlagen des alten Packhofes zeugten, wurden bei den Bauarbeiten zur Errichtung der Bauakademie von 1832 bis 1836 zum Großteil entfernt (Abb. 1).

Beim Bau der Schinkelschen Akademie mussten wegen des feuchten Untergrundes starke Spundwände eingebracht und ein, um das gesamte Gebäudefundament verlaufender, Kanal angelegt werden.

 

Abbildung 1: Frontalansicht der Bauakademie, Quelle: LDA Archiv.

 

Unweit der Bauakademie hatte Karl Friedrich Schinkel an der Nordwestecke des Werderschen Marktes zwischen den Jahren 1824 und 1831 bereits die Friedrichwerdersche Kirche errichtet.

Diese stand an dem Standort des ehemaligen Reithauses, das im Jahr 1701 der Deutsch-Reformierten und der Französischen Gemeinde übertragen und als Doppelkirche geweiht wurde.

Die Bauakademie wurde zwar im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, sollte ursprünglich aber wiederaufgebaut werden (Abb. 2).

Jedoch kam es anderes, da das Gebäude 1961 abgerissen wurde und ein Teil der Fläche ab 1964 vom Außenministerium der DDR überbaut wurde.

 

Abbildung 2: Die zerstörte Bauakademie nach dem II. Weltkrieg, Quelle: LDA Archiv.

 

2. Ausgrabung 1995

Das Außenministerium der DDR wurde seinerseits im Jahr 1995 abgerissen.

In diesem Zuge führte das Landesdenkmalamt Berlin im Frühjahr 1995 auf dem ehemaligen Standort der Bauakademie eine archäologische Voruntersuchung durch (Abb. 3).

Dies geschah im Zusammenhang mit der Frage nach der Nutzung des Platzes, nach der zukünftigen Bebauung oder der Wiederrichtung der Schinkelschen Bauakademie.

In Absprache mit der Deutschen Stadtentwicklungsgesellschaft m.b.H. (DSK) sollte geklärt werden, ob beim Abriss der Bauakademie in den Jahren 1961/62 eine Tiefenenttrümmerung stattfand und in welchem Umfang Fundamentreste noch vorhanden waren.

In der Schuttverfüllung gefundene Formsteine und Reste des Fassadenschmucks sollten geborgen werden.

 

Abbildung 3: Die Untersuchungsflächen der Ausgrabungskampagnen von 1995 und 2000, Quelle: LDA Archiv.

 

Die Ausgrabungen fanden auf einer 9 x 12 m großen Fläche südwestlich des ehemaligen Außenministeriums der DDR statt (Abb. 4).

Ab einer Tiefe von 1,20 m kamen die ersten zusammenhängenden Fundamentreste zutage.

Zur Straße hin wurden zwei Pfeilerfundamente aus Kalksteinmauerwerk freigelegt, die teilweise noch mit einer Lage aus aufgehendem Ziegelmauerwerk versehen waren.

Die Verbindungsbankette waren in voller Breite erhalten.

Reste von Holzeinbauten zur Wasserhaltung waren zwar stark gestört und verdrückt, aber vorhanden.

Im westlichen Bereich der ausgegrabenen Fläche fand man einen weiteren Fundamentpfeiler, dem unmittelbar vorgelagert ein gemauerter Brunnenschacht lag, der aus der Phase des Packhofes stammen könnte (Abb. 5).

Es wird davon ausgegangen, dass die Fundamente an allen Stellen noch gut erhaltenen sind, die nicht von der Baugrube des ehemaligen Außenministeriums der DDR zerstört wurden.

Der Entwässerungskanal wurde bei den Untersuchungen nicht entdeckt, da er außerhalb der Grabungsfläche liegt und auch der eigentliche Kellerfußboden wurde nicht gefunden, da dieser in den 1950er Jahren entfernt wurde.

Aus der Füllung wurden ca. 500 Formsteine, Säulenfragmente, Teile von Dekorplatten und glasierten Riemchen geborgen (Abb. 6).

Die Fundlisten liegen im LDA vor und die Originalfunde sind in der Zitadelle Spandau eingelagert.

 

Abbildung 4: Grabungsplan von 1995, Quelle: LDA Archiv.

 

Abbildung 5: Freigelegter Brunnen mit den Fundamenten der Bauakademie im Hintergrund, Quelle: LDA Archiv.

 

 

Abbildung 6: Krone, ursprünglich aus dem 1. oder 2. Obergeschoss der Bauakademie, Quelle: LDA Archiv.

 

3. Ausgrabung 2000

Im Januar und Februar 2000 kam es im Vorfeld des Aufbaues der Musterfassade zu einer weiteren archäologischen Untersuchung.

Diese wurde an der Nord-Ost-Ecke der ehemaligen Bauakademie durchgeführt (Abb. 3).

Die Grabungsfläche entsprach der Grundfläche der Musterfassade.

Auf der Fläche wurde die Schuttabdeckung bis zum Fundament abgetragen.

Dabei wurde eine zu der Außenwand parallel verlaufende Mauer freigelegt, die zur Schinkelschen Entwässerung gehören dürfte.

Wie in der ersten Grabung kamen die Fundamente aus Rüdersdorfer Kalkstein zu tage.

Aus der Verfüllung wurde eine große Anzahl von Dekor- und Formsteinen und quadratischen Bodenziegeln geborgen.

Die beschädigten Fundamente wurden mit einer leicht erkennbaren Schicht aus gelben Ziegelsteinen gefestigt, welche die Originalbefunde von einer darüber aufgetragenen Betonplatte trennt.

 

4. Aufbau der Schaufassade

Bereits in den 1950er Jahren gab es starke Stimmen für den Erhalt und die Restaurierung der Bauakademie.

Erste Erhaltungsmaßnahmen wurden zwar durchgeführt, jedoch waren diese Bemühungen und Pläne durch den Abriss der Bauakademie und den Bau des Außenministeriums der DDR hinfällig.

Nach dem Ende der DDR und spätestens seit dem Abriss des Außenministeriums der DDR 1995 entstand eine Diskussion über die Nutzung der Baufläche und über den möglichen Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie.

Auf Betreiben des Vereins zum Wiederaufbau der Schinkeleschen Bauakademie e.V., Bildungsverein Bautechnik e.V. und anderer Initiatoren wurde der Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie vorangetrieben.

Auf Grund dieses Betreibens wurde beschlossen, an dem originalen Standort in der Nordost-Ecke der Fläche eine Musterfassade zu errichten.

Anhand der ausgegrabenen Bauteile konnte die Ziegelei Golem originalgetreue Nachbildungen anfertigen, die unter Zuhilfenahme alter Pläne und Fotos an den entsprechenden Stellen verbaut wurden.

Die Musterfassade soll für die originalgetreue Wiederherstellung der historischen städtebaulichen Raumbezüge mahnen und für die Verwirklichung der rekonstruierten Architektur beim Wiederaufbau des Gebäudes werben.

Der Grundstein der Schaufassade wurde am 01.09.1999 gelegt und mit den Mauerarbeiten wurde am 03.04.2000 begonnen, die etwa ein Jahr andauerten.

 

5. Aktuelle Frage- und Zielstellungen zum Umgang mit dem Bodendenkmal der ehemaligen Bauakademie

Zur Zeit steht auf der Grundfläche der ehemaligen Bauakademie eine Gerüst mit Planen, auf dem die Bauakademie in voller Größe abgebildet ist.

Da seit dem 11.11.2016 Gelder vom Bund für den Neubau der Bauakademie zur Verfügung stehen, soll das Gerüst mit den Planen nun rückgebaut werden.

Im kommenden Jahr soll das Bodendenkmal erneut untersuchen werden.

Aktuell prüft das Landesdenkmalamt Berlin mögliche Zusammenarbeiten mit verschiedenen Hochschulen.

Zu überlegen ist auch noch, welche Fragestellungen durch die Ausgrabungen oder anderweitigen Untersuchungen geklärt werden sollen und können.

Zudem gilt es zu klären, in welcher Form die Bauakademie wiederaufgebaut werden soll.

Von dieser wichtigen Frage hängt der Umgang mit den sich noch im Boden befindlichen Fundamenten der ehemaligen Bauakademie ab, die am 28.09.1995 als Bodendenkmal eingetragen wurden.

Müssen sie durchbohrt, überbaut oder im schlimmsten Fall ganz abgetragen werden, um dem Fundament des Neubaus zu weichen?

Aus denkmalpflegerischer Sicht ist der möglichst vollständige Erhalt der Fundamente der Schinkelschen Bauakademie, die durch die Baugrube des Außenministeriums der DDR nicht zerstört wurden, zu empfehlen.

Eine Möglichkeit die Originalbefunde der Bauakademie der Öffentlichkeit sichtbar zu machen wäre ein Archäologisches Fenster, wie es an anderen Stellen in Berlin schon der Fall ist.

Jedoch müssen dabei genaue Überlegungen und Planungen angestellt werden, da diese Fenster sonst schnell Schimmelbildung, Bildung von Kondenswasser und andere bautechnische Mängel befördern und einen hohen Wartungsaufwand bedeuten.

 

Aaron Schröcke

LDA w-Vol-Sch

04.11.2019

 

6. Literatur

Fuchs 1996: Peter R. Fuchs, Die Archäologischen Funde an der ehemaligen Bauakademie in Berlin-Mitte 1995. In: Karl Friedrich Schinkels Berliner Bauakademie. In Kunst und Architektur. In Vergangenheit und Gegenwart (Berlin 1996) 129-135.

 

Maczijewski 2000: Raimund Maczijewski, Im Einsatz für Schinkel. Archäologie in Deutsch-land 2000/3, 37.

 

Muschert 2014: Gundula-B. Muschert, Verzeichnis der Berliner archäologischen Fundstellen und Funde Teilb1. Die früheren Bezirke Mitte, Tiergarten, Wedding, Prenzlauer Berg und Friedrichshain. Berliner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte. Neue Folge 19 (Berlin 2014) 99.

 

Nath 2017: Gunnar Nath, Vom Rand und aus der Mitte. Berlin vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. In: M. Meyer/ F. Schopper/ M. Wemhoff (Hrsg.), Feuerstein, Fibel, Fluchttunnel. Archäologie in Berlin und Brandenburg seit der Wende. (Petersberg 2017) 155-162.

 

Tscheschner 2000: Dorothea Tscheschner, Das abgerissene Außenministerium der DDR in Berlin-Mitte. Planungs- und Baugeschichte (Berlin 2000).

 

Wilderotter 2000: Hans Wilderotter, Der Friedrichswerder. Zur Geschichte eines Berliner Stadtbezirks. In: Hans Wilderotter (Hrsg.), Das Haus am Werderschen Markt. Von der Reichsbank zum Auswärtigen Amt (Berlin 2000) 55-84.

 

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Übersicht Grabungsbereich

 

Quelle:

Auftraggeber:

DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungs-Gesellschaft mbH

Treuhänder des Landes Berlin

Axel-Springer-Str. 54 B

10117 Berlin

 

Fachaufsicht:

Landesdenkmalamt Berlin

Fr. Dr. Karin Wagner, Leiterin Bodendenkmalpflege und Gartendenkmalpflege

Altes Stadthaus

Klosterstraße 47

10179 Berlin